Der Club der toten Künstler

Eine sehr gelungene Aufführung mit vielen Augenzwinkern zur Institution Schule und hervorragenden musikalischen Darbietungen sowie schauspielerischen Leistungen!


Der Club der toten Künstler- Aufführung des Literaturkurses Q1

Eine Schule, die neben Bildung und Disziplin die Bescheidenheit in ihrem Wahlspruch führt - deren Schüler jedoch aus elitären Elternhäusern stammen, denen die karrieresichernden guten Noten ihrer Kinder das Wichtigste an der Schule ist. Die Reduktion der künstlerischen Vielfalt auf nur ein einziges "Kombifach" LiMuKu (Literatur, Musik und Kunst), das nur einmal in der Woche unterrichtet wird. Lehrer die anecken, wenn sie alternative Methoden im Unterricht nutzen, anstatt das Lehrbuch Seite für Seite abzuarbeiten. Schülerinnen, deren Verhalten im Unterricht zum

Inspiriert durch einen neuen Lehrer gründen die Freundinnen den Club der toten Künstler.

Ritual geworden ist - so dass sie völlig verwirrt reagieren, wenn ein Lehrer ihnen Vertrauen anbietet und ihnen die Tür zu Emotion und Begeisterung öffnet: Die Entscheidung des Literaturkurses, den Stoff des Films "Der Club der toten Dichter" auf die Bühne zu bringen, eröffnete zahlreiche Möglichkeiten, sich in der Aufführung subtil mit der eigenen Schule auseinanderzusetzen. Ein lohnendes Unterfangen für eine Schulaufführung also. Doch vor der Umsetzung auf die Bühne des Mataré-Gymnasiums hat sich der Literaturkurs unter Leitung von Lisa Billen der Aufgabe gestellt, Inhalt und Darstellung zu adaptieren: Das reichte von solch einfachen Gegebenheiten wie der Kurszusammensetzung - da die Anzahl der Schülerinnen deutlich überwog, wurde die Handlung an eine Mädchenschule verlegt - über die szenische Einschränkung auf nur wenige Handlungsorte bis hin zur zeitlichen Übertragung in die Gegenwart der Schülerinnen und Schüler. Besonders letztere zeigte liebevoll bearbeitete Details, die das eine oder andere Schmunzeln bewirkte: Selbstverständlich nutzen die Schülerinnen Handys zur Kommunikation per Messenger oder zur Internetrecherche - einschließlich des Konflikts mit den Lehrern, die "die Nutzung elektronischer Geräte" in der Schule strikt unterbinden wollen (ein Seitenhieb auf die Hausordnung unserer Schule?). Zu den revolutionären Methoden des neuen LiMuKu-Lehrers Maximilian Steiner gehört dann natürlich auch, dass er mangels vorhandenem WLAN sein eigenes Handy nutzt, um den Schülerinnen einen Hotspot zu bieten, über den sie im Internet über ihre Idole

Die musikalischen Darbietungen waren sehr beeindruckend.

recherchieren können. Lebensnah dabei sein fast verzweifelter Appell an die Schülerinnen, nur ja "keinen Unsinn" mit dem Internetzugang anzustellen. Angepasst an die Gegenwart wurde auch der Traum der Victoria von Schönberg, die sich mit dem Karriereplan ihrer Advokaten-Eltern nicht abfinden möchte: An die Stelle einer Shakespeare-Aufführung - wie im Original - tritt ein Musik-Casting, in dem sie mit einer überzeugenden Präsentation von Songs ihres Vorbilds Amy Winehouse die Jurorinnen dazu veranlasst, ihr ein Stipendium für ein Musikstudium anzubieten. Hier erklärt sich der leicht veränderte Titel "Der Club der toten Künstler": Das Spektrum der künstlerischen Vorbilder der Schülerinnen umfasst in der aktualisierten Version zusätzlich zur Literatur auch Musik und bildende Kunst. Am Ende bleibt die Tragik, dass Victoria aus dem Konflikt zwischen ihrem Traum als Sängerin und ihren strengen Eltern, die durch einen Schulwechsel alle "schädlichen Einflüsse" zu unterbinden versuchen, nur durch den Selbstmord entfliehen

Die Geschichte nimmt ein tragisches Ende.

kann - mit den Tabletten, die ihr die eigene Mutter "zur Beruhigung" gegeben hat.

In der Rahmenhandlung, dem Gerichtsprozess gegen den unkonventionellen Lehrer Steiner, wird exemplarisch die Vielschichtigkeit reduziert auf eine einzige Schuldzuweisung - an den, der sich der Konvention nicht gebeugt hat. Seine berufliche Karriere wird zerstört - dennoch halten ihm seine Schülerinnen die Treue: "Captain, mein Captain!" - und zeigen dadurch, dass seine Pädagogik etwas in ihnen bewirkt hat. Die Schülerinnen und Schüler des Literaturkurses beeindruckten durch ihr frisches Spiel auf der Bühne - besonders überzeugend die verschiedenen Charaktere des "Clubs der toten Künstler": die romantische Charlotte, begeistert durch Goethes Werther und verliebt in Emmas Bruder, Amelie als Seelentrösterin und Beraterin in allen Lebenslagen, Emma in ihrer Eifersucht über die sich anbahnende Beziehung zwischen Freundin und Bruder - und nicht zuletzt Felicitas, die immer ihren eigenen Kopf durchsetzen will. Auch das übrige Ensemble überzeugte, allen voran die karrierebewussten Eltern von Schöneberg und die Lehrerinnen, die Rektorin Frau

Oh, Captain, mein Captain ...

Schneider und die Mathematiklehrerin Fräulein Rottenmeier, gefühllos und nur darauf bedacht, Verstöße der Schülerinnen gegen die Hausordnung zu ahnden. Die Rolle des LiMuKu-Lehrers Maximilian Steiner fordert unwillkürlich den Vergleich mit Robin Williams im Originalfilm heraus - das sind große Fußstapfen! Die schauspielrische Leistung war sehr  überzeugend - bis zum großen Finale. Die Aufführung - ein Erfolg des gesamten Literaturkurses - ein nachdenklicher Abend mit dem einen oder anderen Augenzwinkern - ein Genuss für die Zuschauenden. Zurück bleibt der geheime Traum von Schülern, Schülerinnen und Lehrkräften: Unterrichtstunden, in denen das wesentliche in wenigen Minuten geschieht, in denen auf das stets gelungene motivierende Highlight der Schlussgong folgt - wie stets im Film und auf der Bühne, wenn Schule dargestellt wird.